Habt ihr es bisher selbst nicht geschafft durch eure spielerische Leistung zu den ganz Großen zu gehören? Wir zeigen euch in unserer neuen Blog-Reihe „Behind eSports“ die verschiedenen Jobs im eSports abseits einer Karriere als Star-Spieler.

Behind eSports

Wir alle verfolgen die zahlreichen Streams auf Twitch und sehen dabei den besten Teams bzw. Spielern der Welt zu, wie sie Tag für Tag gegeneinander kämpfen. Gefeiert von den Massen gleichen die Star-Spieler bereits Prominenten am roten Teppich, wenn sie die Arena betreten. Tausende Fans die den Namen ihrer Favoriten rufen, tosender Applaus. Doch hinter erfolgreichen Organisationen stehen nicht nur die Spieler. Im eSports gibt es zahlreiche Möglichkeiten Teil eines Teams zu werden, sei es als Manager, Coach oder als Analyst. Diese Personen bekommen gerade in kleinen Organisationen viel zu wenig Aufmerksamkeit und deshalb möchten wir genau diese Menschen ins Rampenlicht stellen.

Den Anfang macht der ambitionierte Nick „Pylonick“ Hömke, Team-Manager und Bereichsleiter für League of Legends bei TKA E-Sports. Der 27-jährige holte in Season 3 der A1 eSports League Austria nach einer grandiosen Gruppenphase mit seinem Team den 4. Platz. Wir haben den Berufssoldaten aus Kiel, Norddeutschland zum Interview eingeladen und mit ihm über seine Rolle als Team-Manager und seine Erfahrungen im eSports geredet. Doch bevor wir darauf eingehen wollen wir euch erstmal erklären was ein eSports Team-Manager überhaupt macht!

Die Aufgaben eines Team Managers

Team-Manager sind verantwortlich für eine Gruppe von Spielern und übernehmen wie auch im Sport organisatorische Aufgaben für das Team und im Verein. Dazu zählt unter anderem die Team-Zusammenstellung. Gemeinsam mit dem fachlichen Leiter des Teams, dem Coach, werden laufend neue Spieler gescoutet und kontaktiert. In vielen Organisationen gibt es bereits Spielerverträge. Diese enthalten Vorgaben der Organisation (z.B. Verhalten bei Events, Bekleidungsvorschriften, etc.) aber auch Vorschriften damit Sponsoren-Verträge entsprechend eingehalten werden. Es liegt daher in der Verantwortung der Team-Manager, dass alle Spieler ihre Verträge einhalten.

Abseits davon ist der Team-Manager vor allem für Kommunikation zuständig. Darunter fallen auch Aufgaben wie:

  • Kommunikation mit Turnier- bzw. Liga-Organisatoren
  • Koordination von Terminen für das Team (z.B. Offline Events, Training, etc.)
  • Networking mit anderen eSports Organisationen
  • Die Bewerbung des Teams auf Social Media
  • Community-Arbeit

Die tatsächlichen Aufgabenbereiche eines Team-Managers sind vor allem von der jeweiligen Organisation bzw. dem Verein abhängig.

Pylonick im Interview

Gemeinsam mit TKA E-Sports war Nick beim A1 eSports League Austria Season 3 Finale. Jetzt einige Wochen später haben wir ihn getroffen um mit ihm über seine Rolle als Team-Manager und seine Pläne für Season 4 zu reden.

Wie bist du dazu gekommen League of Legends Team-Manager bei TKA E-Sports zu werden?

Im Endeffekt war es purer Zufall. Ich habe in einer kleinen League of Legends-Community gespielt. Irgendwann wurde ich gefragt ob ich das Team übernehmen möchte, was ich dann getan habe. Wir waren recht erfolgreich und haben letztendlich auch in der ESL gespielt. Das war der Zeitpunkt als ich die Manager von TKA kennengelernt habe. Wir waren lange im Kontakt und als ich mich von meiner alten Organisation getrennt habe, hat mich mein Weg dann zu TKA geführt. Das Team habe ich natürlich mitgenommen. Später wurde ich dann auch als Team-Manager des LOL Teams, mit dem wir auch in Season 3 beim Offline Finale waren nominiert.

Quelle: Twitter Nick „Pylonick“ Hömke

Was unterscheidet TKA in deinen Augen von anderen Organisationen?

Wir sind wie eine kleine Familie. Alle verfolgen dasselbe Ziel und ziehen dadurch am selben Strang. Wir wollen uns immer weiter professionalisieren und in den großen Ligen der Welt mitspielen. Unsere Mitglieder kommen aus unterschiedlichen Branchen (z.B. IT, Technik, Psychologie, etc.) dadurch können wir auf ein breites Wissen zurückgreifen und diese Ressourcen nutzen.

Ein wesentlicher Unterschied ist auch das Head-Management. Die sind immer an vorderster Front dabei und versuchen trotz Arbeit und Familie TKA in jeder Freien Minute weiterzubringen und zu stärken. Ich möchte hier auch Heiko „Potty“ Jürgens ein besonderes Shoutout geben. Er ist immer im Hintergrund und macht so viel für TKA. Er ist wie der Zement der das ganze Bauwerk zusammenhält.

Was genau machst du als Team-Manager bei TKA?

An sich grundlegende organisatorische Dinge. Ich rede mit den Verantwortlichen von Ligen bzw. Turnieren, suche mit meinem Coach gemeinsam neue Spieler für unser Team und ich organisiere uns regelmäßig Trainingspartner. Eigentlich erfülle ich viele Rollen gleichzeitig. Manchmal bin ich der Chef der sich durchsetzen muss, manchmal der Freund der einem zuhört und manchmal wie eine Mutter die einem hinterherläuft, weil man wieder Sachen liegen gelassen hat oder Termine vergessen hat. Die Spieler kommen mit allem zu mir, manchmal weil sie sich verbessern wollen und nach Tipps fragen, aber auch mit privaten Problemen. Ich hatte schon den Fall, dass die Freundin eines Spieler Schluss gemacht hatte und ich ihn mit Rat und Tat zu Seite gestanden bin. Ich werde auch manchmal gefragt, was sie studieren sollen. *lacht*

Wie gehst du mit solchen Dingen um?

Man muss auf jeden Fall immer professionell bleiben und sich nicht zu sehr beeinflussen lassen. Die Spieler sind in der Regel zwischen 16-22 Jahre alt und dementsprechend muss man verantwortungsbewusst mit ihnen umgehen. Ich hatte z.B. schon den Fall, dass ein 15-jähriger in meinem Team mit Alkohol in der Hand rumgerannt ist. Da bin ich natürlich eingeschritten und habe ihm eine Standpauke gehalten. Mein Ziel ist es die Spieler zu fördern und zu Profis zu machen und nicht, dass sie bereits am Weg dahin durch solche Dinge scheitern. Deswegen bin ich auch immer für mein Team da!

Vor allem bei Niederlagen ist die Enttäuschung beim Team natürlich groß. Manche Spieler machen den Fehler das persönlich zu nehmen und sich Vorwürfe zu machen. Meine Aufgabe ist es dann die Jungs dazu zu bringen positiv zu bleiben und sie zu motivieren. Das muss man ganz individuell machen. Vor jedem Gespräch auf die jeweilige Person einstellen und gemeinsam die Persönlichkeit des Spielers aufbauen. Nur so kannst du gewinnen.

Gibt es bei TKA auch Trainingspläne?

Professionelle Trainingspläne haben wir aktuell noch nicht. Mein Coach legt mit den Spielern Trainingszeiten fest und dann kommen alle zusammen. Da wird erstmal besprochen was gemacht wird. Man wird nicht gut nur weil man die ganze Zeit das Spiel spielt, dazu gehört viel mehr. Wir schauen uns Replays von anderen Teams an und analysieren diese. Es werden Situationen besprochen und wie man darauf reagiert. Gute Spieler müssen intelligent sein und diese Informationsflut verarbeiten können. Nur dann können sie erfolgreich werden.

Es gibt natürlich auch den Fall, dass Spieler nicht auftauchen. Ich habe mir abgewöhnt vorher Erinnerungen auszuschicken. Durch die Spielerverträge gibt es die Möglichkeit mit solchen Situationen andern umzugehen. Die Themen werden besprochen und Lösungen gesucht, schafft er das nicht gibt es wie im Fußball irgendwann die rote Karte und er muss das Team verlassen. Das passiert in der Regel aber selten, da bereits zu Beginn Ziele abgesteckt werden. Wollen wir Pro gehen und in die höchsten Ligen oder nicht. Und das Ziel muss dann gemeinsam verfolgt werden sonst funktioniert das nicht.

Du bist mittlerweile Bereichsleiter für League of Legends bei TKA. Habt ihr schon Pläne für Season 4 der A1 eSports League Austria?

Wie bei fast allen anderen Teams in der A1 Liga ist der Roster immer nur für das eine Event zusammen. Deswegen sind wir auch grade dabei ein Team zusammenzustellen, dass nicht nur für eine Season zusammenkommt, sondern langfristig zusammenspielt. Gemeinsam mit meiner Kollegin suche ich gerade passende Spieler um diesen Plan umzusetzen. Abseits davon wollen wir natürlich auch jüngere Spieler in Österreich fördern und ihnen die Chance geben sich in Turnieren zu beweisen. Deshalb planen wir bereits ein Academy Team für unseren Nachwuchs mit dem klaren Ziel Talentförderung.

Ein weiteres wichtiges Thema für mich sind Frauen im eSports. Ich persönlich setze mich schon sehr dafür ein und möchte auch in Zukunft bei TKA ein professionelles Frauen League of Legends Team haben.

Wer entscheidet wer ins Team aufgenommen wird?

Das entscheiden meine Kollegin als Coach und ich. Wir nehmen immer die Spieler die bereits im Team sind als Grundlage. Wir wollen den perfekten Mix aus aggressiven und unterstützenden Spielern für unser Team. Vorab scouten wir den Spieler aus einer fachlichen Perspektive, schauen uns Replays an, schauen wie er mit anderen Spielern umgeht und bewerten sein Potenzial. Wichtig ist aber auch zu sagen, dass nicht nur das fachliche eine Rolle spielt. Bevor wir einen weiteren Schritt machen prüfen wir auch den Background der Spieler. Das Alter ist immer entscheidend, wir haben als Organisation vor mit unserem Team in Profi-Ligen zu spielen. Ziel ist es mit den Spielern zu wachsen. Wenn ein Spieler zu alt ist kann es sein, dass er bald eine Familie gründen möchte bzw. sich auf seinen Job konzentriert. Dann ist er in der Regel auch ganz schnell wieder weg und verlässt die Organisation. Social Media spielt hier auch eine wesentliche Rolle. Wie bei einer Bewerbung für einen Job kommt es natürlich nicht gut, wenn man nur Partyfotos oder andere anzügliche Bilder postet. Den Spielern muss bewusst sein, dass sie unsere Organisation in der Öffentlichkeit repräsentieren und auch gegenüber der Fans entsprechend auftreten müssen. Danach führen wir ein Gespräch mit dem Spieler um zu schauen ob es zwischenmenschlich funkt. Wenn das Gesamtkonzept passt nehmen wir den Spieler ins Team auf.

Hast du Tipps für unsere Leser, die ihre eSports Karriere starten wollen?

Das Mindset von vielen jungen Leute ist heutzutage ich will schnell nach oben und es muss direkt Geld fließen. Mein Tipp, es langsam angehen lassen. Setzt euch Pläne für die Zukunft und setzt die strukturiert um. Ein gewisses Grundinteresse für eSports muss da sein, dann müsst ihr euch nur noch in der Szene bzw. der Community engagieren. Sucht euch Amateurteams und arbeitet euch hoch. Dann schafft ihr es vielleicht irgendwann auch davon leben zu können. Davon solltet ihr aber nicht ausgehen. Meine Arbeit bei TKA ist komplett ehrenamtlich. Wir sehen das aktuell eher so, alles was wir uns im Management an Gehalt auszahlen, würde das Wachstum der Organisation aktuell bremsen. Wichtig ist also, dass ihr euch ein zweites Standbein aufbaut. Es ist ein Traum, aber man darf den Bezug zur Realität nicht verlieren. Wenn das Mindset passt, dann ist es wichtig sich selbst gut darzustellen, Kontakte zu knüpfen und seinen Namen in die Szene einzubringen. „Wen man nicht kennt den verpflichtet man auch nicht.“ Und sonst einfach anfangen!

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